Ein Schafsjahr.

auf der Dunalby Farm, Südaustralien

Die 900 Merino-Schafe werden im Februar in die Kategorien „gute Wolle“ und „schlechtere Wolle/schlechterer Körperbau“ unterteilt.

Die „gute Gruppe“ kommt mit reinrassigen Merino Böcken auf eine Koppel und die „nicht so gute Gruppe“ kommt mit Suffolk Böcken zusammen.

Merino = sehr gute Wollqualität → Scheren + Nachzucht

Suffolk = bessere Gewichtszunahmen → Scheren + Lammfleisch

Nach 5 Monaten der Trächtigkeit lammen die Schafe im Juli/August und bleiben weitere 5 Monate mit ihren Lämmern zusammen.

Da die Tiere das ganze Jahr über draußen sind, steht den Lämmern neben der Milch jederzeit feste Nahrung (Gräser und Gerste) sowie  Wasser zur Verfügung. Die Lämmer entwöhnen sich mit zunehmendem Alter selbst von der Muttermilch, daher ist es wichtig, dass sie parallel anfangen feste Nahrung aufzunehmen.

Im Dezember werden die Lämmer dann von den Müttern getrennt sowie gezählt, geimpft und gegen Fliegen behandelt.

Fliegen stellen das größte Problem in der Schafhaltung dar.

Ist die Wolle am Hintern nass und dreckig, legen Fliegen schnell Eier darin ab. Die schlüpfenden Larven verursachen große Schmerzen, da sie sich in die Haut fressen.

Wenn der Landwirt nicht eingreift, wandern die Larven den Rücken hoch bis zum Nacken, welches dann meist zum Tode führt. Damit es gar nicht erst soweit kommt, wird der Rücken der Lämmer mit Wasser und einem Fliegenmittel behandelt.

Bei den Müttern schert man Wolle um den Hintern, um Verschmutzung zu verhindern. Bei den Lämmern ist dies aufgrund der Größe und dem zu geringen Wollanteil nicht praktikabel.

IMG_3781bk

Nach dem Zählen und Behandeln kommen die Lämmer auf eine proteinreiche Koppel (Luzerne und Gerste). Hier sollen die Suffolk-Lämmer in ihren letzten zwei Monaten möglichst viel zunehmen.

Meistens ist es die Fläche, auf der sie mit ihren Müttern zuletzt waren, da sie wissen wo sich die Wasserstellen befinden und so die Umstellung nicht zu groß ist.

Die Mütter kommen auf eine weniger proteinreiche Fläche, da sie keine Energie mehr zur Milchproduktion benötigen und für die nächste Lammsaison nicht zu fett werden sollen.

Sie werden z.B. auf eine Gersten Fläche gebracht, auf der der Unkrautdruck sehr hoch war und deswegen nicht gedroschen werden sollte.

So fressen sie die Ähren der Gerste sowie das  schmackhafte Unkraut und verhindern dadurch, dass das Unkraut aussamt und sich weiter verbreitet.

img_3628

Anfang Januar werden die 600 Suffolk-Kreuzungslämmer geschoren.

4 Personen (darunter 2 Scherer) haben 2,5 Tage dafür benötigt. Die geübten Scherer, die von extern kommen, scheren ein Lamm in ca 4 Minuten. Sie arbeiten sehr sorgfältig und behutsam, ohne das Tier zu verletzen.

Nach dem Scheren ist das Lamm ca 1,5 kg leichter und der australische Farmer bekommt für die Wolle eines Kreuzungslammes $9 ($6/kg, entspricht 4,2 €/kg). Davon gehen wiederum $4-5 pro Lamm für die Lohnkosten der Scherkolonne ab.

Ende Januar werden dann auch die Merino-Lämmer geschoren.

Für deren Wolle bekommt der Farmer $10/kg (7 €), da diese viel hochwertiger ist.

Die Mütter werden im Herbst geschoren, damit die Wolle, wenn sie  Lammen, nicht so lang ist und so Verschmutzungen etc vermeiden werden.

Sie geben beim Scheren 3,5-4 kg Wolle.

img_20170106_115443_787

Mit 7 Monaten und einem Gewicht von ca. 25 kg werden die Kreuzungslämmer nach dem Scheren Ende Januar oder – wenn sie ihr Gewicht noch nicht erreicht haben – Ende Februar an den Schlachter verkauft und der Farmer erhält $4,5-5/kg (3,1-3,5 €/kg) Lammfleisch.

Nach dem Dreschen wandern die Schafe bis April, bevor gesät (gedrillt) wird, jede Fläche ab und fressen das aufgelaufene Unkraut sowie das Getreide, welches beim Dreschen verloren gegangen ist.

Ja, alle Flächen sind eingezäunt.

Da die Flächen an den zwei Standorten alle aneinander grenzen, vereinfachte es dies etwas. Es ist aber auch so eine sehr lange Strecke Zaun, die instand gehalten werden muss. Außerdem gibt es auf jeder Koppel einen fest installierten Wassertrog sowie Bäume, die Schatten spenden.

Eine weitere Besonderheit an Andrews Betrieb ist, dass beim Dreschen die Spreu (Kaff) aufgefangen wird, und in Haufen auf der Fläche abgelegt wird. In diesen Kaff-Haufen befinden sich Unkrautsamen und Getreidekörner, die den Tieren ausreichend Nahrung über den Sommer bieten.

Wen es interessiert, der kann sich gerne den Bericht über das Prinzip mit dem ‚chaff cart‘ durchlesen.

In den Wintermonaten (Mai-August) werden die Schafe mit Hafer-Heu zugefüttert. Dieses Heu stammt teilweise aus der mechanischen Unkrautregulierung, welches in dem ‚chaff cart‘-Artikel näher beschrieben ist.

Trächtig werden die Lämmer zum ersten Mal mit 1,5 Jahren und bekommen im Alter von 2 Jahren ihr erstes Lamm.

Sollten in einem Jahr zu viele weibliche Merino-Lämmer zur Nachzucht zur Verfügung stehen, wird ein Teil verkauft. Ein knapp 1 Jahr altes Merino-Lamm kostet ca. $150-210.

[Stand aller Preise: Jan 2017]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: