Kühe.

Die Milchviehhaltung ist in Australien anders als in Deutschland.

Was sofort auffällt ist, dass es keine Ställe gibt.

Lediglich ein Melkzentrum, welches Teils auch nur aus einem Dach über dem Melkkarussell besteht und eventuell einen überdachten Strohbereich für das Abkalben und die kranken Kühe.

Die Kühe sind das ganze Jahr Tag und Nacht über auf der Weide.

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Natürlich gibt es hier auch unterschiedliche Praktiken. Ich werde über einen Betrieb berichten, den ich kürzlichst besucht habe.

Herdendurchschnitt größer als in Deutschland

1994 hat Familie W. einen Betrieb mit 300 Milchkühen und Nachzucht im Budesstaat Victoria gekauft.
2017 umfasst ihre Milchviehherde nun 1200 Kühe.

Wie fast alle Betriebe in Australien melken sie in einem Melkkarussel, welches 260 Kühe in einer Stunde melkt. Da viele Australier auf dem Lande faul sind und wenig Lust haben zu arbeiten, melken hier vier Inder.

Kälber

Auch haben fast alle Betriebe eine saisonale Abkalbung. Das heißt, dass entweder die gesamte Herde zu einer Zeit kalbt, oder die Herde gespalten wird und so zwei mal im Jahr Kalbesaison ist. Demnach würden hier 600 Kühe innerhalb von einem Monat kalben, welches durchschnittlich 20 neue Kälber pro Tag entspräche.
Ich glaube ich muss nicht extra erwähnen, dass dies eine unglaublich arbeitsintensive Zeit ist.

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Einen Blick in den Kälberstall. Windgeschützt aber mit viel Luft und Licht verbringen die Kälber hier ihre ersten Lebenswochen.

Die zukünftigen Kühe leben in einem großen „Kälberdorf“, welches in einzelne Abteile unterteilt ist. Jedes Abteil besteht aus einem Unterstand, viel Platz zum Herumtollen, einer Heuraufe und ca 15 Gefährten.

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Jungtiere

Wenn sie alt genug für die Weide sind, gehen sie erst mal auf Reise. Denn die Jungtieraufzucht findet auf einem anderen Betrieb statt, der 100 km entfernt liegt. Hier wachsen die Jungtiere auf, werden besamt und reisen 2 Monate bevor sie Kalben (im Alter von 22 – 24 Monaten) zurück zum Milchviehbetrieb.

Umstrukturierung & Milchgeld

Wenn im Frühjahr auf den meisten Betrieben in Australien die Kalbungen statt finden, steigt logischerweise die Milchmenge auf dem Markt enorm an und der Preis für die Milch sinkt aufgrund des hohen Angebotes.

Aus diesem Grund ist Mark, der Betriebsleiter, auf dem Weg seine Kühe über das Jahr verteilt abkalben zu lassen. So werden außerdem Arbeitsspitzen gebrochen.

Übrigens: Ganz anders als in Deutschland geben die australischen Meierein am Anfang des Wirtschaftsjahres (Juli)  bekannt, wie viel sie das kommende Jahr für die Milch auszahlen werden. Dies wird der Mindestpreis sein. Meistens wird es im Laufe des Jahres ein wenig mehr.

Aktuell bekommt Mark 46ct (AUD) pro Liter Milch [Stand: Juni 2017], wovon er über die Runden kommt. 50ct wären ihm lieber, um ein kleines Polster aufbauen zu können, ist jedoch froh dass es keine 30ct mehr sind wie im Vorjahr.
Achtung: 46 AUD Cent entsprechen 31 Euro Cent!

Im Sommer Stall statt Weide

Mark hat im Gegensatz zu der breiten Masse eine Art Stall für die Kühe gebaut. Wobei so richtig Stall kann man das nicht nennen. Wollen wir es mal als Unterstand bezeichnen.

Diese vier Unterstände sind für je 300 Kühe vorgesehen, mit Stroh eingestreut und es gibt zwei Futtertische.
Auf dieser Farm kommen die Kühe im Sommer nämlich nicht auf die Weide.

Die Flächen müssten alle bewässert werden, damit genügend Gras wächst und nicht vertrocknet. Da die Bewässerung begrenzt und auch sehr teuer ist, bekommen die Kühe im Sommer Silage und verbringen ihre Zeit bei den Unterständen, die sie vor der Sonne schützen.

Auf dem Speiseplan im Sommer stehen dann: Gras- und Maissilage, Luzerneheu, sowie Raps- und Getreideschrot. Während des Melkens bekommen sie auch Schrot, welches unter anderem als Lockmittel für einen reibungslosen Ablauf funktioniert. Außerdem kann im Melkkarussel die Menge an Schrot an die Leistung jeder einzelnen Kuh angepasst werden (Mehr Milch = höherer Energiebedarf).

Nach jeder Melkzeit gibt es dann eine frische Portion der Futtermischung. Im Winter dient die Ration als Ergänzung zum frischen Gras und gibt zusätzliche Energie sowie Struktur.

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Futterbau

Insgesamt 2000 Hektar gehören zur Farm auf denen Gras und Mais wächst.

Jeden Herbst muss das Gras neu gesät werden, da es die Trockenperiode im Sommer nicht überlebt. Von Herbst bis Frühling rotieren die Kühe über die Weiden und es wird ein bis zwei Mal gemäht um Silage zu machen. Da der Mais nicht so viel Wasser benötigt und gut mit Hitze zurecht kommt, wird er im Frühjahr gesät und im Herbst (April/Mai) gehäckselt.

Das Getreideschrot sowie das Stroh werden zugekauft.

Die Leistung der Holstein-Friesischen Kühe beträgt im Schnitt 25 Liter Milch am Tag.  Auf das Jahr hoch gerechnet gibt eine Kuh 8500 Liter, welches mit dem deutsche Durchschnitt vergleichbar ist.

Um die Handarbeit beim Melken ein wenig zu erleichtern, werden die Zitzen vor dem Ansetzten des Melkgeschirrs mit einer Bürste und Wasser gereinigt. Dies stimuliert gleichzeitig die Kuh. Sie setzt Hormone frei, die die Milch ins Euter einschießen lassen. Nach 30 – 60 Sekunden wird dann in nächsten Schritt das Melkgeschirr angesetzt.

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Mit Wasser und weichen Bürsten werden die Zitzen gereinigt

Zukunftsplanung

Auf die Frage hin, ob er sich noch weiter vergrößern wolle, sagte Mark, dass er auf insgesamt 1400 Kühe hin arbeite. Da die Kühe 2 Monate vor dem Abkalben in „Mutterschutzurlaub“ gehen, hat er so durchgängig über das Jahr um die 1200 Kühe in Milch.

Insgesamt arbeiten hier 12 Personen, wovon drei die eigenen Kinder sind. Sie befinden sich aktuell in der Ausbildung oder im Studium.
Sie haben große Freude an der Landwirtschaft und Mark hofft, dass eines Tages eins seiner Kinder den Hof übernehmen wird.

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