Reis.

Jatiluwih, Bali, Indonesien

Bekanntlich wird in den asiatischen Ländern viel Reis angebaut.
Ich habe Wayun in Jatiluwih auf Bali getroffen und er konnte mir die traditionelle Anbauweise erklären.

Wayun selbst ist Landwirt und ist auf der elterlichen Farm aufgewachsen. Früh musste er bereits mit anfassen und helfen. Nach der Schule ist er jedoch in die Stadt gegangen, denn da ist die Perspektive auf einen Job in dem man mehr Geld verdienen kann deutlich größer.

Was ihn bewegt hat zurück zu kehren, kannst Du in dem Artikel über Wayunnachlesen.

Dadurch, dass er englisch sprechen kann (in ländlicher Region spricht normalerweise keiner englisch), wurde er gebeten in den UNESCO Weltnaturerbe Rreisterrassen in Jatiluwih nebenbei zu arbeiten. Für mich kam es sehr gelegen, denn er hatte wirklich Ahnung über den Anbau.

Die Aussaat

Da die Reisterrassen ziemlich kleine Felder sind, ist es absolut nicht möglich die Arbeitsschritte durch Trecker zu mechanisieren. Es ist also Handarbeit gefragt.

Vor der Saat wird der Mist der Kühe unter gepflügt. Dies geschieht mit den Kühen und einem Einschaar Pflug oder dem „walk behind“, einem Einachser mit Motor und einer Art Schaufelrad.

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Der „walk behind“ ist die größte Mechanisierung der kleinen Farmer.

Die durchschnittliche Größe einer Reisfarm beträgt einen Hektar. Mit den Kühen (Rasse: Banteng / Sudan-Ochse) dauert das Pflügen der Felder mehrere Tage, mit dem „walk behind“ ist ein Hektar in 4 Tagen schaffbar, so Wayun.

Die Saat wird dann in einen „Paddy“, also einen Abschnitt der Terrasse, per Hand gestreut. Nach 10 – 14 Tagen ist der Reis aufgelaufen und etwa 7 cm groß. Zeit für das ordentliche Setzen.

Jede Reispflanze wird aus der Erde gezogen und auf der gesamten Anbaufläche einzeln in Reih und Glied gesetzt. Dies ist der mit Abstand größte Arbeitsaufwand und vor allem der körperlich Härteste. Kleinlaut gibt Wayun zu, dass am Ende des Tages der Rücken schon etwas steif sei. Kein Wunder…

In dieser Zeit helfen alle verfügbaren Hände und dennoch dauert es fast einen Monat bis alles fertig ist (vom Pflügen bis zur fertig gesetzten Reispflanze). Nun wird bewässert.

Die Bewässerung

Die „Reis-Paddys“ werden kontinuierlich mit Wasser aus einem Stausee am Fuße des Vulkans bewässert. Durch ein Kanalsystem wird das Wasser zu den Paddys geleitet. Ein Netz soll den Müll und das Laub filtern. An jedem Beginn des Wassersystems jedes Farmers steht ein Schrein. Die Menschen hier sind hinduistischen Glaubens, der Schrein ist der Ort an dem die Opfergabe platziert wird und das Wasser in religiöser Hinsicht gereinigt wird. Die Menschen hier haben für alles eine Zeremonie und leben nach der Religion. „Wenn wir uns gut mit den Göttern halten und die Natur respektieren, dann sind die Götter gut zu uns und unsere Ernte wird gut“, so Wayun.

Hier dreht sich einfach alles um gutes Karma und positives Denken. Dementsprechend sind die Menschen auch alle super freundlich.

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Die manuelle Reinigung des Wassers durch das Gitter und die heilige Reinigung durch den Schrein.

Dann sind etwa zwei Monate Pause in denen viele Landwirte auf dem Bau arbeiten, um Geld dazu zu verdienen.

Manuelle Unkrautbekämpfung

Wieder in gebückter Haltung werden alle „Paddys“ abgelaufen, das Unkraut per Hand gerupft und mit den Füßen in die Erde getreten. Unkraut ist eine große Konkurrenz zum Reis, da es Nährstoffe und Platz „klaut“. Würde man das Unkraut wachsen lassen, entwickelt sich die Reispflanze nicht gut und sie bleibt kleiner als normal.

Chemische Mittel zur Unkrautbekämpfung werden hier nicht verwendet.

Das zweite Mal wird das Unkraut im vierten Monat beseitigt.

Auch wird im vierten Monat gedüngt. Dazu muss die Bewässerung pausieren und der chemische Dünger welcher in granulat Form in Säcken gekauft wird, wird per Hand und pi mal Daumen verteilt.
Eine Woche später kann die Bewässerung erneut starten.

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Ein Landwirt beim Dünger streuen.

Der Reis bräuchte an sich keine permanente Bewässerung, jedoch dient sie dazu das Unkraut zu „ersticken“ und gar nicht erst keimen zu lassen. Es gibt auch einen Trockenreisanbau zum Beispiel in Australien.

Die Ernte

Im sechsten Monat wird dann der weiße hybrid Reis geerntet. Mit der Sichel werden die Ähren und Blätter geschnitten und die Bündel werden gedroschen.

Von einem Hektar können zweimal im Jahr durchschnittlich 2t geerntet werden.

Ein paar Eckdaten für den weißen hybrid Reis:
IDR = Indonesische Rupiah, 16.000 IDR = 1€

  • Kosten Saatgut: 1kg – 1000 IDR (6ct) [Indonesische Rupiah, ~16.000 IDR = 1€]
  • Kosten Dünger: 25kg – 200.000 IDR wovon der Staat 50% zahlt (12,6€, also 6,3€)
  • Ertrag: 2t/ha
  • Erlös: 1kg – 16.000 IDR (1€)
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Auch das Dreschen ist ein wenig technisiert. Vom Prinzip her funktioniert dieses Gerät wie eine Dreschtrommel im Mähdrescher.

Die traditionelle Sorte

Roter Reis ist die traditionelle Sorte, heißt, der geerntete Reis kann wieder ausgesät werden. Das geht bei dem hybrid Reis nicht, da er eine Kreuzung aus zwei Typen ist. Würde man ihn erneut säen, kämen Bastarde heraus. Die Pflanze wäre genetisch „verkrüppelt“ und der Ertrag nicht gut. In einem Hybriden werden die guten Eigenschaften beider Eltern vereint.

Der rote Reis benötigt 7 Monate bis zur Ernte, es kann also nur ein Mal im Jahr geerntet werden. Allerdings benötigt der rote Reis auch keinen chemischen Dünger und der Farmer erhält pro Kilogramm Ertrag 25.000 IDR (1,6€).

Mechanisierung

Wie Du siehst, ist der Aufwand enorm und eine Möglichkeit der Mechanisierung in den Reisterrassen begrenzt. Nicht überall gibt es diese kleinen Felder am Hang. In ebenen Gebieten sind die Flächen etwas größer, aber noch lange sind die Strukturen nicht groß genug, dass sich ein Tecker lohnen würde.

Wie ich in Bangkok erfahren habe, hat die indonesische Regierung ein Programm laufen, in dem sie massig Trecker kaufen und an die Landwirte schenken. Allerdings werde sie ohne Schulung oder sonstigen Seminaren vermittelt. Die Landwirte nutzen die Maschine und da sie ein Geschenkt sind, kümmern sie sich nicht sehr sorgfältig um sie. Ein professioneller Einsatz schlägt also fehl.

Ob es eine komplette Fehlinvestition ist oder eine Chance für den ländlichen Raum wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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