Glyphosat und die Städter.

Wie bekannt, bin ich Quereinsteigerin in die Landwirtschaft. Sprich keiner aus meiner Familie stammt vom Hof oder hat richtig Bezug zur Landwirtschaft. Dieses Weihnachten habe ich nicht im Sommer auf der anderen Seite der Erde verbracht, sondern bei meinen Eltern. In einem 150 Seelendorf im Oberbergischen Kreis, in dem ich auch aufwuchs.
Insgesamt 18 Personen saßen am 1. Weihnachtsfeiertag bei uns im Haus, wir haben köstlich gegessen, uns über unterschiedlichste Dinge unterhalten und viel gelacht.

Ich erinnere mich noch an die Worte eines Freundes (Landwirt) der mich mal fragte, worüber man sich denn eigentlich mit Städtern unterhält – etwas anderes als Landwirtschaft ist doch uninteressant.

Auch wenn es für den ein oder anderen wirklich ungläubig klingen mag, es gibt tatsächlich noch andere Themen neben der Landwirtschaft, über die man sich unterhalten kann. Zum Beispiel ob die Anschaffung eines Thermomixes sein Geld wert ist, über die teuren Mieten in Köln, ob der Weißwein mild oder spritzig ist, ob die vielen Geschenke der kleinen Cousins angemessen waren oder aber auch, dass man schneller von Gummersbach nach Frankfurt (120 km) gefahren ist, als nach Köln (53 km) aufgrund der ganzen Baustellen und Staus. Ja, hochinteressant.

Glyphosat als Stimmungskiller

Ich habe mir allerdings gedacht, dass wenn man schon so eine Gelegenheit geboten bekommt in einer Runde mit Nicht-Landwirten zu sitzen, könnte man doch auch mal stumpf fragen, was denn der Verbraucher über Glyphosat denkt. Zack, Weihnachtsstimmung völlig gekillt. Das kann ich.

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Glyphosat blockiert die Photosynthese und tötet somit alle betroffenen Pflanzen ab.

Antwort Fraktion Senioren

Zu meiner Überraschung kam von der Fraktion Senioren als erste Antwort: “Tja, kritisches Thema, aber so genau kann ich da gar nichts zu sagen, wir wissen doch viel zu wenig darüber.” Da war ich erst einmal positiv überrascht. Positiv in dem Sinne, dass sie mich nicht mit den dollsten Argumenten, die sie aus den Medien wissen, konfrontiert haben. Traurig aber auch, dass die Medien im Punkto Aufklärung völlig versagen. Natürlich könnte man sich gezielt zu dem Thema auch im Internet informieren aber wer tut das schon, und welcher Nicht-Landwirt soll zwischen “richtig” und “falsch” differenzieren können?!

Die Hauptaussage war im Grunde die, dass sie ein Gift pauschal nicht für gut verheißen können und eher negativ dem Glyphosat entgegen stehen.

Ich habe mir erlaubt sie grob aufzuklären und erzählt wie wichtig Glyphosat in einigen Bereichen für die Landwirtschaft ist, wie eine mechanische Alternative aussieht und dass die größten Verwender von Gylphosat die Deutsche Bahn und die Kommunen seien. Beim letzten Punkt waren sie empört, dass solche Informationen nie verbreitet werden und man sowas gar nicht weiß.

Antwort Fraktion Vegetarier

Aus der Fraktion Vegetarier und Öko kamen nur Vorwürfe, dass durch Glyphosat die Insekten sterben, das Wasser verseucht wird und das ja auch schon im Bier nachgewiesen wurde. Es hatte auch wenig Zweck mit Fakten zu kontern. Ich habe es einfach mal so hingenommen, auch wenn es nicht ganz leicht war. Über die negativen Aspekte der mechanischen Unktrautregulierung, was ihrer Meinung nach die Ideale Lösung sei, habe ich sie auch aufgeklärt. War auch wieder nicht richtig.

Ich will sie ja gar nicht bewegen plötzlich für Glyphosat zu schwärmen, ich will lediglich aufzeigen, dass Glyphosat durchaus richtig angewendet wird und in manchen Angelegenheiten in der Landwirtschaft einfach eine wichtige Rolle spielt.

Genmanituliertes Roundup Ready Soja ist wieder eine ganz andere Liga. Das wollte ich außen vor lassen.

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Glyphosat kann ein wichtiger Beitrag zur Ertragssicherung sein.

Antwort Fraktion Mitfahrgelegenheit

Nach Weihnachten bin ich wieder nach Schleswig-Holstein gefahren und habe Mitfahrer mitgenommen. Sie habe ich auch gleich mal zu Glyphosat gefragt. Sie konnten damit aber viel weniger anfangen als meine Verwandtschaft. “Das ist doch das, was nicht so gut ist, oder?”, kam als erste Antwort. Ihnen war das Thema aber auch relativ gleichgültig und haben sich nicht großartig dafür interessiert. Sie wollten eher wissen, warum die Kälber nicht lange bei der Mutter bleiben und ob sie brüllen, wenn sie getrennt werden.

Dann habe ich sie eben darüber aufgeklärt und von meinen Erfahrungen erzählt. Ich habe gemerkt, dass sie es interessant fanden endlich mal mit einem echten Landwirt darüber reden zu können und es kamen viele Nachfragen.

persönliche Gespräche & aktives Zuhören

Die ganze Aktion hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen vom Fach die Stadt mal aufmischen müssen. Die Städter sind daran interessiert, wie unsere Lebensmittel produziert werden und wollen auch mehr darüber wissen, aber wen sollen sie dazu fragen?! Ihre Antworten bekommen sie in der Regel von den Medien, die uns Landwirte meistens nicht gut dastehen lassen oder nicht korrekte Fakten vermitteln..

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