Marokko Teil 1 – Der fruchtbare Norden.

Kurzinfo Marokko

Einwohner: 36,2 Mio. 
Relief: Durchzogen von drei Gebirgsketten; dem fruchtbaren Rifgebirge im Norden, dem zentral durchquerenden und mit Schnee bedecktem Atlasgebirge und dem südlicheren Antiatlasgebirge
Klima: mediterran im Norden, kontinental im zentralen Atlasgebirge (Höhen bis 4167 m), Wüstenklima im Süden 
Temperaturen im Sommer: im Norden 17 – 26 Grad, Zentralmarokko bis 50 Grad, in der Wüste um 35 Grad mit heißen Winden 
Niederschlag: Hauptsächlich in den Wintermonaten. Im Norden im Schnitt 900 mm, durch die Gebirge im Süden nur noch unregelmäßige 20 – 200 mm.

Ansonsten hat das Internet weitere Infos und Karten 😉

Ich möchte Dir einen kleinen Einblick in die Landwirtschaft in Marokko geben, damit Du eine Vorstellung von dem bekommst, was ich gesehen und erlebt habe.

Wie in der Kurzinfo schon deutlich wird, ist Marokko ein Land mit unterschiedlichsten Facetten. Landschaftlich, landwirtschaftlich und strukturell. Über jede Region könnte man unglaublich viel erzählen, aber ich möchte mich versuchen kurz zu halten.

Das muslimische Land gilt als fortgeschrittenes Entwicklungsland. Es gibt Autobahnen, moderne Städte mit westlichem Einfluss und Porsche sieht man überall. Ok, also den Berber-Porsche jedenfalls.

Der Berber-Porsche in Marokko. Ein Esel zieht einen Karren
Der Berber-Porsche

Berber ist eine Ethnie Nordafrikas zu der unter anderem die Tuareg gehören. Sie haben ihre eigene Sprache und einen simplen Lebensstil, der sich mit den Schlagworten: Kasbah (Lehmhütten), Esel, Minztee, Familie und Religion am kürzesten umschreiben lässt. Diese Dinge haben in ihrem Alltag und im Leben einen sehr hohen Stellenwert.

Der Esel als wichtigstes Arbeitstier

Der Berber-Porsche ist ein Eselkarren, mit dem sie alle möglichen Dinge von A nach B transportieren, wie zum Beispiel das Obst und Gemüse zum Markt in der Stadt. Auch ist der Esel ein wichtiges Arbeitstier, denn die Landwirtschaft ist nicht großartig mechanisiert. Obwohl die Regierung 50 % der Kosten eines Treckers übernimmt, wie mir erzählt wurde, setzen die meisten Landwirte ihren Esel zum Pflügen ein. Teilweise ist es gar nicht möglich die Flächen mit einem Trecker zu bewirtschaften, da sie sehr steil sind. Nein, natürlich nicht alle Flächen. Dann kommt aber das mangelnde technische Verständnis (Bedienung, Wartung, Pflege) hinzu und auch die Infrastruktur, die in den ländlichen Regionen nicht gut ist (Ersatzteile). Die Anbaugeräte müssen natürlich zusätzlich zu dem Trecker gekauft werden, was in der Summe einen großen kapitalen Einsatz erfordert.

Die Ernten der letzten Jahre waren zudem auch gering, da der Niederschlag in den letzten fünf Jahren sehr unregelmäßig war oder sogar ganz ausgeblieben ist. Normalerweise regnet es im Winter, also zwischen November und März. Die Erträge liegen im Weizen übrigens zwischen 1,1 und 2,4 t/ha (zum Vergleich im dt. Schnitt bei 8 t/ha).

Mechanisierung in der Landwirtschaft

Im Norden, dort wo der Boden am fruchtbarsten ist, der meiste Niederschlag fällt und die Landwirtschaft am intensivsten ist, könnte man denken, man würde vielen landwirtschaftlichen Maschinen begegnen. Es gibt große Felder, der Weizen wunderbar bestockt, Hügel in verschiedenen Grüntönen, zwischendurch Olivenhaine, dann eine Ackerfläche die gerade bearbeitet wird, um eine Sommerung wie Hafer oder Gerste auszusäen nehme ich an, und ich bin schon gespannt mit welcher Art von Trecker und Arbeitsgerät sie das hier machen.

Ah, ich sehe was. Es ist ein Ross. Nein, kein Dieselross, sondern wirklich ein Pferd mit einem Einschaar Pflug. Oder soll ich eher sagen einem Zinken?! Die Fläche war nun wirklich nicht klein und ich war etwas verwundert. Ein Trecker hätte sich gelohnt. Ein Foto konnte ich leider nicht machen, denn ich saß im Bus der mich weiter in den Norden bringen sollte. Auf der weiteren Fahrt habe ich mehrere Landwirte gesehen, die mit Pferd oder Esel auf dem Acker waren. Und dann endlich habe ich doch mal einen Trecker gesehen (Größenordnung 75 – 90 PS), der mit einer Scheibenegge, Arbeitsbreite vielleicht 3 Meter, den Boden bearbeitet hat. Neugierig gucke ich weiter über den Acker und sehe am anderen Ende drei Menschen, die Saat ausstreuen. Hmm. Ich hatte eigentlich eine Drillmaschine erwartet, aber okay.

Im weiteren vorbei fahren habe ich Landwirte gesehen, die mit der Rückenspritze über den Acker gelaufen sind oder mit einem Eimer in der Hand Dünger gestreut haben. Ich habe aber auch Getreideflächen mit Reifenspuren gesehen. Spuren eines Trecker mit Spritze wie ich dann gesehen habe, der über den Acker gebleiert ist und die Pflanzen platt gefahren hat. Richtige Fahrgassen waren nicht da, denn auch beim Drillen, wenn sie es denn mit einer Maschine gemacht haben, waren die Spuren nie auch nur einigermaßen gerade. Aiaiai. Ob das nur ich schrecklich fand aufgrund der deutschen strukturierten Art, oder ob denen das wirklich egal ist?! Wer weiß.

Jedenfalls erkennt auch der Laie, dass hier in der Landwirtschaft noch großes Potenzial für mehr Effizienz steckt. Es kann natürlich auch gut sein, dass ich die modernen Betriebe gar nicht auf meiner Route hatte und sie sich irgendwo im Rifgebirge verstecken, aber größtenteils wird Landwirtschaft wie beschrieben betrieben.

Hanf in Marokko

Übrigens wird im Rifgebirge sehr viel Hanf angebaut. Legal.
Wusstest Du, dass Marokko der weltweit größte Exporteur für Marihuana ist.
Im Land selber ist das Rauschmittel allerdings illegal, die Strafen sind sehr hoch, was jedoch nicht viele vom Kiffen abhält.

Gesät wird Hanf Mitte bis Ende Dezember. Die Pflanze wächst je nach Wasserversorgung und Qualität 6 bis 7 Monate bevor sie weiter verarbeitet wird. Da es im Rifgebirge kühler ist als im Landesinneren und dort allgemein mehr Niederschlag fällt, kann teilweise zweimal im Jahr Hanf angebaut und geerntet werden.

In der Wüste, im Süden, sind die Bedingungen Landwirtschaft betreiben zu können ganz andere. Wie man sich das dort vorstellen kann, erfährst Du im nächsten Teil meiner Reise.

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Für vier Wochen war ich auf Exkursion durch Marokko.

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