Erntehelferin in Estland.

Die Getreide Ernte in Deutschland ist abgeschlossen – in Estland hat sie Ende Juli erst begonnen. Als Erntehelferin bin ich mit der Fähre von Travemünde nach Liepaja (Lettland) gereist und bin weitere 550 km mit dem Auto zu meinem Zielort Umbusi mitten in Estland gefahren. Zusammen mit vier weiteren deutschen Erntehelfern, dem estnischen Verwalter und dessen Tochter werde ich hier die nächsten Wochen arbeiten.

Vor 20 Jahren hat Ackerbauer Stefan Krainbring aus Ostholstein, Schleswig-Holstein in Estland 200 Hektar Land für damals 200€/ha gekauft. Sein ehemaliger estnische Praktikant, der übrigens fließend Deutsch spricht, verwaltet und bewirtschaftet die nun mittlerweile 1000 Hektar.

Blick auf Ackerflächen von weit oben
Hoch oben auf den Getreidesilos kann man weit gucken.

In Estland leben 1,3 Mio. Einwohner auf einer Fläche, die fast so groß ist wie Niedersachsen. Umgerechnet findet man 29 Einwohner/km² (Deutschland: 231 Einwohner/km²), wovon wiederum die meisten Menschen in den Städten leben. Estland besteht aus vielen Wald- und Moorgebieten. Lediglich 21% des Landes werden landwirtschaftlich genutzt. Die Winter sind streng und die Sommer warm.

Ackerbau

Umbusi ist ein sehr kleiner Ort westlich von Tartu. Hier ist die beste Ackerbauregion mit sandig lehmigem Boden. Allerdings hat die Trockenheit im Sommer 2018 auch Estland nicht verschont und so wird die Ernte vermutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. Angebaut werden hier Winter- und Sommerweizen, Winter- und Sommerraps, Erbsen, sowie Phacelia als Zwischenfrucht.
Üblicherweise beginnt die Ernte um den 12. August mit dem Winterweizen. Dieses Jahr wurde bereits Ende Juli der erste Weizen gedroschen. In normalen Jahren werden 6-8t Weizen/ha geerntet. Das Jahr 2018 hat ca. 5t/ha Ertrag gebracht. Nach dem Winterweizen reifen die Erbsen und der Winterraps ab.
Der Sommerraps ist vor ein paar Wochen (Ende Juli) erst verblüht. Auf den müssen wir noch ein wenig warten.

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Mit zwei eigenen Dreschern wird hier geerntet.

Das geerntete Gut wird auf dem Hof getrocknet und eingelagert. Dieses Jahr muss dies aufgrund des heißen Sommers allerdings gekühlt anstatt getrocknet werden. Das Getreide hat eine Temperatur von circa 35°C, wenn es in der Gosse ankommt. Wird es nicht herunter gekühlt, ist es nicht lange lagerfähig. Dieser Betrieb hat eine Lagerkapazität von 5000 Tonnen, welches der gesamten Ernte entspricht. So kann das Getreide verkauft werden, wenn die Preise steigen. Zur Zeit der Ernte sind die Preise in der Regel relativ niedrig, da viel Ware auf dem Markt ist.

Anbauplan mit Zwischenfrucht

Von den insgesamt 1000 Hektar werden 500 ha nach der Ernte (im Spätsommer / Herbst) gepflügt. Auf 250 ha wird Winterraps gedrillt, die anderen 250 ha liegen bis zum Vegetationsbeginn Mitte April brach. Anschließend wird dort Sommerweizen gedrillt.
Die restlichen 500 ha werden gegrubbert für 250 ha Winterweizen und 250 ha Phacelia als Zwischenfrucht. Phacelia wird im Frühjahr zeitgleich mit dem Sommerweizen gedrillt. Die Fläche mit der Zwischenfrucht wird später nicht geerntet, sie dient dazu, die Fruchtfolge zu erweitern, Luftstickstoff an den Boden zu binden und mit ihren Wurzeln den Boden aufzulockern. Sie wird gemulcht und untergepflügt, damit der Winterraps frühzeitig in den Boden kommt. Der beste Zeitpunkt ist Anfang bis Mitte August damit er Zeit hat, sich ausreichend zu entwickeln und den Winter übersteht. Anfang Oktober komm meist der erste Frost welcher die Vegetationspause einleitet.

Sommerraps

Sommerraps wird in dieser Region ebenfalls angebaut, in Deutschland ist das eher untypisch. Möglich ist dies, da die Tage in Estland im Sommer länger sind als die in Deutschland.
Der Sommerraps blüht Mitte Juli, der Winter Raps hier in Estland Mitte Mai. Für viele Insekten ist es im Mai noch zu kalt, weshalb nur wenige chemische Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig sind. Der Sommerraps ist sehr anfällig für jegliche Art von Insekten und benötigt viele chemische Behandlungen. Aus diesem Grund wird Sommerraps auf diesem Betrieb in den nächsten Jahren erstmal nicht mehr angebaut.

Übrigens: Seit 2004 ist Estland Mitglied in der EU. Die Landwirtschaft profitiert davon sehr, da die Esten nun zu Weltmarktpreisen produzieren können. Ermöglicht durch Subventionen im Rahmen der Entwicklung des ländlichen Raumes. Allerdings sind die Lebensmittel sowie weitere Dinge wie z.B. Strom im Verhältnis zum Einkommen durch den Euro sehr teuer geworden und sorgen für Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

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